Seid dabei: Unser Besuchertag im Oktober 2026

Am 10.10.2026 öffnen wir wieder unsere Tür für euch.
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Ihr solltet euch kurzfristig entscheiden, da wir nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen vergeben können.

PS Eine kleine Bitte: Falls doch was dazwischen kommt, gebt uns kurz Bescheid.
Wir pflegen eine Nachrückerliste und können dann jemand anderem eine Freude machen.
Danke euch!

Diesen Monat möchte ich euch ein Arcade-Spiel aus unserem Verein vorstellen. Bisher standen in unserem Newsletter fast ausschließlich Flipper im Rampenlicht, doch heute wird es Zeit für etwas völlig anderes. Wir widmen uns dem Kult-Videospiel Asteroids, das Ende der 1970er-Jahre ganze Jugendgenerationen in ihren Bann zog. Macht euch bereit für eine Reise zurück in die dunklen, verrauchten Spielhallen voller Pixel und Vektor-Laser:

„Asteroids“

aus dem Jahr 1979

Wenn die nackten Vektorlinien glühen…

Wenn die nackten Vektorlinien auf dem tiefschwarzen Bildschirm glühen, die Triebwerke eures Raumschiffs fauchen und euch die Trümmerteile nur so um die Ohren fliegen, dann seid ihr mitten im Cockpit eines der größten Meilensteine der Videospielgeschichte! Als Atari im Dezember 1979 das Arcade-Spiel Asteroids auf die Menschheit losließ, war das nicht weniger als eine echte Revolution. Die schwebenden, scharf gezeichneten Vektor-Felsen katapultierten Atari mitten ins Rampenlicht des weltweiten Mainstreams und brachen mit einem Schlag die eiserne Vorherrschaft, die Space Invaders bis dahin über die weltweite Videospielszene ausübte.


Dieses Spiel war so unglaublich fesselnd, dass es sogar die Produktionsbänder in den Atari-Werken lahmlegte: In den Pausen stürmte die gesamte Belegschaft zu den fertig montierten Automaten, um eine Runde zu zocken, anstatt weiterzuarbeiten! Und auch die Kassen der Spielhallenbetreiber quollen buchstäblich über. Einige Automaten spielten über 1.000 Dollar pro Woche ein, und auf dem Höhepunkt seiner Popularität spülte das Spiel wöchentlich sage und schreibe 10 Millionen Dollar in Form von Vierteldollar-Münzen (Quarters) in die Kassen – das entspricht unglaublichen 40 Millionen eingeworfenen Münzen pro Woche! Der Erfolg war so gigantisch, dass bereits beim allerersten Feldtest in der Spielhalle ‚Gulfland‘ im kalifornischen Sunnyvale der Betreiber hastig die Geldsammelbehälter vergrößern musste, weil die standardmäßigen Boxen unter der schieren Last der Münzen überliefen. Später mussten Betreiber mancherorts sogar massive, extra angefertigte Holzkisten unter den Automaten montieren, um dem Münzsegen Herr zu werden. Ein kosmisches Phänomen, das Alt und Jung, Schüler und gestandene Geschäftsleute gleichermaßen in seinen Bann zog.

Faszination der frühen 1980er Jahre: Jugendliche vertiefen sich in das Gameplay des Atari-Vektor-Arcade-Klassikers Asteroids (1979)

Wer hat ihn entworfen?

Hinter diesem meisterhaften Weltraum-Klassiker stecken vor allem zwei kreative Köpfe von Atari: Lyle Rains lieferte als ‚Vater‘ die zündende Idee eines zerstörbaren Felsens, während Ed Logg als ‚Mutter‘ das Projekt über neun intensive Monate programmierte und das geniale Gameplay zum Leben erweckte. Ed Logg wurde dabei massiv von seiner eigenen Studienzeit an der University of California, Berkeley, inspiriert, wo er stundenlang eine 4-Spieler-Version des allerersten Computer-Weltraumspiels Spacewar! auf einer PDP-Maschine am Stanford Research Lab gezockt hatte – eine Erfahrung, die seine Vorstellungen von physikalischer Trägheit und Drift im All maßgeblich prägte. Zusammen mit dem Hardware-Entwickler Howard Delman, der die innovative Vektor-Hardware anpasste und den Sound-Schaltkreis entwarf, schufen sie einen unsterblichen Meilenstein.

Das goldene Asteroids-Gehäuse (mit vergoldeten Elementen, speziellem Leuchtschild und angepasstem Control Panel) wurde von Atari als einmaliges Einzelstück angefertigt, um die Produktion des 50.000. hergestellten Automaten dieses Spiels zu feiern. Daneben steht Ed Logg.

Gameplay:
Der Kampf gegen die kosmischen Brocken

Das Spielprinzip ist so simpel wie packend: Ihr befindet euch am Steuer eines kleinen, dreieckigen Raumschiffs, verloren im tiefen Weltall und umgeben von einer bedrohlichen Schar treibender Asteroiden. Euer Ziel? Überleben und alles in Schutt und Asche legen, was sich bewegt!

Knöpfchendrücken statt Joystick-Akrobatik

Vergesst den klassischen Joystick – hier wird echte Handarbeit an den Knöpfen verlangt! Euer Schiff wird komplett über fünf Tasten gesteuert: Links drehen, Rechts drehen, Schub (Thrust), Feuern und die berüchtigte Hyperraum-Taste. Doch Vorsicht: Ed Logg hat viel Gehirnschmalz in die physikalischen Gesetze des Spiels gesteckt. Euer Schiff gleitet mit echter Trägheit durchs All. Wenn ihr einmal Schub gebt, driftet euer Schiff unaufhaltsam weiter, bis ihr mühsam gegensteuert. Dieses perfekt ausbalancierte Spielgefühl zwischen absoluter Kontrolle und dem permanenten Gefühl des Abdriftens macht den echten Nervenkitzel aus!

Das Bedienfeld: Kein Joystick, kein Drehregler nur Knöpfe

Das große Bröseln:
Asteroidenspaltung für Fortgeschrittene

Jede Runde startet mit einigen wenigen, riesigen Asteroiden, die gemächlich über den Bildschirm driften. Doch sobald ihr das Feuer eröffnet, beginnt die Kettenreaktion:

  • Ein großer Asteroid zerbricht bei einem Treffer in zwei mittlere Brocken.
  • Ein mittlerer Asteroid spaltet sich bei Beschuss in zwei kleine Asteroiden.
  • Erst wenn ihr diese kleinen Felsbrocken abschießt, verschwinden sie endgültig vom Schirm und bescheren euch die meisten Punkte.


Aber aufgepasst: Je kleiner die Trümmer werden, desto schneller sausen sie durchs All und desto schwieriger sind sie zu treffen! Sobald ihr das Spielfeld komplett gesäubert habt, startet die nächste Welle mit noch mehr Asteroiden. Doch Achtung vor dem Limit: Es können maximal 26 Asteroiden gleichzeitig auf dem Bildschirm sein. Habt ihr dieses Limit erreicht und schießt einen großen Felsen an, verschwindet der neue Brocken schlichtweg im Nichts! Das war übrigens kein Fehler, sondern purer Geniestreich aus der Not heraus: Ed Logg hatte auf der Platine winzige 128 Byte RAM zur Verfügung – mehr Speicherplatz für bewegte Felsen gab das System einfach nicht her.

Der Bildschirm von Asteroids

Verfolgungswahn dank Warp-Mechanik

Flucht ist zwecklos! Das Universum von Asteroids ist zwar zweidimensional, nutzt aber eine clevere Warp-Mechanik: Alles, was über einen Bildschirmrand hinausfliegt, taucht augenblicklich auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf – das gilt für die Asteroiden, für gegnerische Schüsse und natürlich für euer eigenes Raumschiff. Ihr könnt euch also nicht einfach in Sicherheit bringen, denn die Gefahr holt euch immer wieder ein!

Die ungebetenen Gäste: UFOs im Anflug!

Als ob die fliegenden Steine nicht schon genug wären, schickt das Spiel von Zeit zu Zeit fliegende Untertassen (UFOs) vorbei, um euch aus der Komfortzone zu locken:

  • Das große UFO (Big Saucer): Ein träger, ungenauer Geselle, der eher zufällig durch die Gegend ballert und dabei oft ungewollt Asteroiden zerschießt. Ed Logg dachte sich das große UFO als eine Art ‚Kanonenfutter‘, um euch darauf vorzubereiten, dass bald gezielter Besuch kommt.
  • Das kleine UFO (Small Saucer): Dieses flinke Biest ist euer persönlicher Albtraum! Es schießt mit unbarmherziger Präzision direkt auf euer Schiff. Je höher euer Punktestand steigt, desto treffsicherer wird es, bis es euch quasi mit dem ersten Schuss vaporisiert. Wenn das kleine UFO auftaucht, hilft nur eins: Ausweichen und sofort ausschalten!

Das Spiel für den Atari 2600

Der Notfallknopf: Ab in den Hyperraum

Wenn der Bildschirm voller Trümmer ist und ein Zusammenstoß unvermeidbar scheint, bleibt euch noch die Hyperraum-Taste. Damit verschwindet euer Schiff und taucht an einer völlig zufälligen Stelle auf dem Bildschirm wieder auf. Klingt praktisch? Ist es auch – allerdings mit einem fetten Haken: Bei jedem Wiedereintritt besteht eine Chance von 1 zu 6, dass euer Schiff sofort explodiert oder direkt in einen Asteroiden hineingeschoben wird. Nutzt diesen Knopf also wirklich nur als allerletzten Rettungsanker!

Nerd-Fakten:
Überraschende Details für echte Insider

Ihr denkt, ihr wisst schon alles über diesen legendären Automaten? Dann haben wir hier ein paar handverlesene Kuriositäten aus den Entwicklungsarchiven:

  • Der unabsichtliche Vektor-Schweif (Phosphor-Glow): Wenn ihr genau hinschaut, zieht euer Raumschiff einen feinen, glühenden Dunstschweif hinter sich her. Das ist kein programmierter Grafikeffekt, sondern ein physikalischer Zufall der alten Vektor-Monitore! Der Leuchtstoff (Phosphor) auf der Bildröhre brauchte einfach einen winzigen Moment zum Abkühlen, nachdem der Elektronenstrahl weitergezogen war. Ein ungeplanter Hardware-Nebeneffekt, der sofort Kultstatus erreichte.
  • Die tanzenden Schildkröten (Turtleroids): Als Aprilscherz bauten die Designer zwei interne Versionen. Eine trug den Namen „Turtleroids“, bei der die UFOs durch kleine Schildkröten ersetzt wurden. Diese Version wurde klammheimlich in den goldenen Asteroids-Automaten in der Lobby des Atari-Gebäudes 1272 Borregas eingebaut, um den Vize-Präsidenten Frank Ballouz zu necken, der kurz zuvor lauthals verkündet hatte: „Keine Schildkröten-Spiele mehr!“
  • Lunar Lander im Schafspelz: Weil die Nachfrage nach Asteroids-Automaten unmittelbar nach Veröffentlichung so gigantisch war, kam Atari mit der Gehäuseproduktion unmöglich hinterher. Kurzerhand wurden die ersten 200 produzierten Asteroids-Platinen in bereits fertige Gehäuse des Vorgängers Lunar Lander eingebaut und ausgeliefert – und das komplett mit der originalen Mondlandungs-Grafik auf der Außenseite! Ein absolutes Sammlerstück.
  • Der geklaute Highscore-Ruhm: Wusstet ihr, dass Asteroids eines der allerersten Spiele war, bei dem ihr eure drei Initialen in eine Highscore-Tabelle eintragen durftet? Ed Logg hat sich diese geniale Idee einfach beim Spiel Star Fire von Exidy abgeschaut. Ein kleiner Diebstahl, der den gesunden Wettkampf unter Freunden und das weltweite Spielhallen-Fieber erst so richtig entfachte!
  • Die Dreiecks-Überlastung (Lag des Todes): Für alle 10.000 Punkte spendiert euch das Spiel ein Extra-Leben, dargestellt als kleines Dreieck am oberen Bildschirmrand. Da die Entwickler jedoch vergessen haben, ein Limit für diese Extraleben einzubauen, kann das Spiel massiv ins Ruckeln geraten, wenn ihr 50 bis 100 Leben hortet. Der Prozessor ist dann schlichtweg damit überlastet, die ganzen kleinen Dreiecke neu zu zeichnen (bis zu 59 werden auf dem Schirm dargestellt, bis zu 255 im Hintergrund verwaltet). Solltet ihr es schaffen, 256 Leben zu sammeln, stürzt das Spiel ab oder der Zähler setzt sich zurück.
  • Der handgelötete Sound-Chip-Trick: Der legendäre, tief pulsierende ‚Herzschlag‘-Soundtrack, der immer schneller wird und die Nerven der Spieler bis zum Zerreißen spannt, hatte eine technische Besonderheit: Die Platine besaß überhaupt keinen Sound-Chip! Howard Delman entwarf die Schaltungen für die insgesamt 13 Soundeffekte komplett von Hand und lötete sie auf eine eigene Zusatzplatine (Satellite Board), die unten an das modifizierte Lunar-Lander-Board gehängt wurde.
  • Der erste ‚Tetris-Effekt‘ der Geschichte: Entwicklungschef Lyle Rains berichtete, dass er während der heißen Entwicklungsphase tagsüber stundenlang Asteroids spielte. Wenn er sich dann spätabends ins Bett legte und die Augen schloss, sah er im Halbschlaf unaufhörlich die Vektorfelsen vor seinem inneren Auge durch die endlose Schwärze des Alls gleiten – lange bevor Tetris dieses Phänomen weltberühmt machte!
  • Heavy Metal im Weltraum – Der Dio-Faktor: Niemand Geringeres als die Heavy-Metal-Legende Ronnie James Dio war ein glühender, absolut süchtiger Fan des Spiels! Er besaß einen eigenen Original-Automaten bei sich zu Hause, auf dem er und seine Bandkollegen während Tour-Pausen unzählige Stunden verbrachten. Nach Dios Tod wurde sein persönliches Asteroids-Gerät bei einer Auktion für stolze 5.120 Dollar an einen Fan versteigert.
  • Kurioses Merchandise: Schlafsäcke und Asteroiden-Masken: Auf dem Höhepunkt des Fiebers gab es abgedrehte Fan-Artikel: Neben einem Hörspiel auf Schallplatte samt Bilderbuch gab es einen offiziellen Atari-Schlafsack mit Asteroids-Motiven. Der absolute Höhepunkt war jedoch ein offizielles Halloween-Kostüm, bei dem Kinder sich tatsächlich eine Maske in Form eines grauen, kantigen Asteroiden-Felsens aufsetzen durften! Es ist wirklich eine herrliche Vorstellung, dass Kinder 1980 an Halloween nicht als Dracula oder als Geist, sondern als stummer, grauer, kantiger Weltraum-Felsbrocken verkleidet durch die Nachbarschaft gezogen sind.

Das Halloween-Kostüm zum Spiel

Auf zur Jagd!

Also, liebe Weltraumpiloten: Putzt eure Visiergläser, ölt eure Finger und zeigt den Asteroiden bei unserem kommenden Besuchertag am 10.10.2026 im FlipperEck, wo der Laser hängt! Wir haben unser Original-Gerät für euch frisch poliert, die Spannungen geprüft und die Vektorlinien scharf gestellt. Kommt vorbei, fordert die Highscore-Tabelle heraus, weicht den unberechenbar feuernden UFOs aus und erlebt den unvergleichlichen Charme des echten Vektorglühens hautnah am eigenen Leib – wir freuen uns riesig auf euch!


Viele Grüße
Holger vom FlipperEck e. V.
Ortlohstraße 86, 45663 Recklinghausen

Quellen & Weiterführende Links

Für diesen Bericht haben wir tief in den Archiven gewühlt und folgende Medien herangezogen: